Aktuelles und Berichte
Frauenseminar
vom 04. bis 06.03.2011
im Kardinal-Volk-Haus, Bingen St. Rochus
Thema: Meine Licht- und meine Schattenseiten
Das Mittagessen am Samstag ist fast
beendet, überall an den Tischen sind muntere Gespräche im
Gange. Da tritt Maria in die Mitte des Speiseraumes und
bittet um Aufmerksamkeit: sie suche noch nach Freiwilligen,
die bereit sind, einen Bericht über dieses Frauenseminar zu
schreiben. Gespannte Aufmerksamkeit unter den 24
teilnehmenden Frauen – Maria blickt hilfesuchend zu den
beiden Tischen herüber, an denen die Mainzer
Teilnehmerinnen sitzen … Tja, wer kann bei dem Blick schon
„nein“ sagen – und so hebe ich die Hand und sage zu, aber
„nur, wenn die „Meenzer Mädcher“ den Bericht zusammen
schreiben“. (Immerhin sind wir zu acht aus Mainz.) Und
schon am Samstagabend nach dem Abendessen sitzen wir
zusammen und formulieren unsere ersten Eindrücke.
Hier nun unser Bericht mit einer kleinen geologischen und
geschichtlichen Exkursion vorab:
Wenn Engel reisen – bei wunderschönem
Wetter – die Sonne strahlt, kein Wölkchen am Himmel,
vermittelt schon die Anreise am Freitagnachmittag zum
Rochusberg über Bingen ein Wochenend-Ausflugsgefühl. Das
frühlingshafte Wetter hält über das gesamte Wochenende an
und gibt dem Seminar einen angenehmen Rahmen, der uns in
den freien Zeiten hinaus ins Freie und zu Spaziergängen
animiert.
Für etliche Teilnehmerinnen ist der
Seminarort „neu“, denn in den vergangenen Jahren hatten
auch die Frauenseminare im Benediktinerkloster bei
Ockenheim stattgefunden.

Doch nicht nur das Wetter: Die
Landschaft … nun, ihr wisst es sicher: das Rheintal
zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz steht als
Kulturlandschaft „Oberes Mittelrheintal“ seit Juni 2002 auf
der Liste des Unesco-Welterbes*. Dieser
prominenteste Abschnitt des Rhein-Verlaufs mit seiner
einmaligen Landschaft wurde stellvertretend für den ganzen
Rhein, der seit zwei Jahrtausenden einen der wichtigsten
Verkehrswege für den kulturellen Austausch zwischen der
Mittelmeerregion und dem Norden Europas darstellt, in die
Liste des Welterbes aufgenommen.
Aber wusstet ihr auch schon, dass der
Jakobsweg Rheinhessen* von Bingen über den
Rochusberg nach Worms führt, seit 2005 in Teiletappen
eröffnet und seit 2009 durchgehend begehbar ist? (Ich hatte
bis heute noch nichts davon gehört …) Schon
Santiago-Pilger, die sich am Verlauf des Rheins
orientierten und die Schleifen des Stroms abkürzen wollten,
sollen ihn gegangen sein, ebenso die Pilger nach Rom.
An diesem Weg gelegen, und dies nicht
nur für Pilger, sondern auch lohnenswerte Ziele kleinerer
Spaziergänge von unserem Seminarort gelegen, findet man das
Hildegard-Forum* der Kreuzschwestern, das zur
Begegnung mit den Lebensbotschaften Hildegards von Bingen
einlädt und ständig wechselnde Kunstausstellungen
anbietet, sowie den sehenswerten, nach mittelalterlichem
Vorbild gestalteten Heilkräutergarten*, der
ebenfalls Hildegard von Bingen gewidmet ist.
Ein Stückchen weiter steht die
Wallfahrtskapelle St. Rochus*, in der u. a.
Figuren des Pestheiligen St. Rochus und Hildegard von
Bingen stehen. Die erste Kapelle an diesem Ort wurde nach
dem Pestjahr 1666 aus Dankbarkeit der überlebenden
Bevölkerung erbaut. Die heutige Kapelle entstand 1893 bis
1895 im neugotischen Stil. Hier finden auch mehrmals im
Jahr öffentliche Konzerte statt. – Wer übrigens mehr über
Hildegard von Bingen erfahren möchte, kann sich im
„Historischen Museum am Strom“ in Bingen über die
heilkundige Mystikerin ein umfassendes Bild machen. (Der
Film aus 2010 über Hildegard von Bingen soll auch recht gut
gemacht sein.)
Die Gemeinschaft der
Kreuzschwestern* wurde 1848 in Straßburg gegründet. Die
Kreuzschwestern sind heute in der deutschen und
französischen Provinz und in einer Missionsstation in
Kamerun tätig. Das deutsche Mutterhaus befindet sich seit
1920 auf dem Rochusberg Bingen. Hier wurde ein Haus
geschaffen, in dem sich kirchliche Gruppen und auch
Einzelpersonen begegnen und Besinnungstage einlegen können.
Die Kreuzschwestern leben und arbeiten in Einrichtungen der
Jugend-, Behinderten- und Altenhilfe und in
Sozialstationen.
Das Kardinal-Volk-Haus*, in
welchem unser diesjähriges Frauenseminar stattfand, ist das
Exerzitienhaus der Diözese Mainz. (Exerzitien = geistliche
Übungen – wen es interessiert, im Internet gibt’s
umfassende Informationen hierzu.)
Doch jetzt endlich zum Thema:
Den Frauen, die bereits an einem
solchen Seminar teilgenommen haben, ist der Ablauf eines
solchen Wochenendes ja wohl bekannt. Die „Neuen“ ,
anfänglich etwas zurückhaltender und vielleicht auch
unsicher ob der vielen „Fremden“, die sich hier aufs
herzlichste untereinander begrüßen und sofort in Gespräche
verwickelt sind, lassen sich durch diese herzliche
Atmosphäre gerne anstecken und sind schnell in der Gruppe
angekommen. Zumal beim gemeinsamen Abendessen – lecker:
Pellkartoffeln mit Kräuterquark – einfach keine
Schüchternheit zulässt: an den Tischen wird lebhaft kreuz
und quer gefragt, erzählt, geredet. (Für mich ist übrigens
das Wiedersehen mit den Weggefährtinnen aus anderen Gruppen
auch ein Grund, ein Seminar zu besuchen. Es tut einfach
immer wieder gut, die Gemeinsamkeit zu spüren und die
Stärke und Freude, die die gewonnene und gelebte Abstinenz
mit sich bringt.)
Bin ich schon wieder abgeschweift???
– Also, wieder zurück zum Seminar:
„Meine Lichtseite – meine Schattenseite – Jede von uns
trägt zwei Seiten in sich“
Unter der Leitung vom langjährig
bewährten Therapeutenteam Ulrike Bergner-Schmitt und Petra
Lucas – an dieser Stelle nochmals unseren herzlichen Dank
an die beiden für ihre tolle Anleitung – wird das Thema
bearbeitet.
Auftakt des Seminars am Freitagabend
ist das Impulsreferat, in dem das Thema vorgestellt
wird (hier ein Auszug davon):
>> Da ist unsere „Lichtseite“, durch die wir Anerkennung
und Zustimmung erhalten, die Seite, für die wir geliebt
werden wollen. Wir zeigen diese Seite gerne, oder wir
zwingen uns dazu, denn durch sie bekommen wir, was wir
brauchen. Wir wissen das und handeln entsprechend, oft auf
Kosten unseres Selbst. Diese Seite ist dem Licht zugekehrt,
von ihr wollen wir, dass sie gesehen wird.
Da ist aber auch die Schattenseite, die verborgene. Hier
finden sich die Anteile, die wir vor anderen und oft auch
vor uns selbst verstecken. Wir haben Angst, verachtet,
gering geschätzt oder nicht mehr gemocht zu werden. Dabei
übersehen wir, dass wir in dieser nicht gezeigten
(Schatten-) Seite manchmal viel deutlicher wir Selbst
sind.<<
Nach verschiedenen „Sich-gegenseitig-kennenlernen-Übungen“
geht es auch gleich zur Sache: Rollenspiel „Model und
Kameramann“ – tja, wer traut sich und tritt als erstes in
den Kreis? Aber zum Glück muss nicht einzeln vorgeführt
werden, und bald findet ein wildes „Posieren und Knipsen“
im Raum statt. Anschließend der rege Austausch in der
Gruppe: Wie haben wir uns in den Rollen gefühlt? Hatte ich
Hemmungen bei den Posen als Model? Konnte ich als
Kamera“mann“ konkrete Anweisungen geben? Hat sich im
Verlauf des Rollenspiels bei uns etwas in unserem Auftreten
verändert?
20.30 Uhr – „Feierabend“. Was machen
wir jetzt? Zwei „mutige Meenzer Mädcher“ schlagen vor,
„Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ im Fernsehen
anzuschauen, denn – HELAU – es ist Fassenacht!!! – Hier
noch ein ehrliches „sorry“ den Mädels, die nichts mit
Fastnacht am Hut hatten und sich lieber noch gemütlich
zusammengehockt und unterhalten hätten.
Samstag, weiter geht’s in
Kleingruppen: Nachdem wir alle unsere Licht- und
Schattenseiten notiert haben, sollen wir unsere „imaginären
Rucksäcke“ damit packen, denn wir wollen ins Neuland
reisen. Allerdings: nur 6 „Anteile“ darf jede von uns
mitnehmen, damit wir unterwegs nicht schlapp machen, da der
Weg auch steil und steinig werden kann. – Und das Neuland?
Wo ist es? – Jetzt müssen wir uns dieses Neuland mit viel
Fantasie und dem körbeweisen Zubehör, das uns die
Therapeutinnen hingestellt haben, auch erst noch selber
basteln!!! – Schön ist es geworden, unser neues Land; ist
es nicht fast zu unwirklich?
Am Nachmittag, wir haben gut zu
Mittag gegessen, einen Spaziergang unternommen oder
nochmals geprüft, ob man in den Zimmern auch ein
gemütliches Mittagsschläfchen halten kann, geht die
Wanderschaft ins Neuland los. Es ist erstaunlich und
faszinierend, wie uns unsere Anteile in unseren Rucksäcken
den Weg dorthin erschweren bzw. ermöglichen, welche Anteile
„auf der Strecke“ bleiben. -
Feierabend! In Gedanken versunken
oder auch in lebhaften Diskussionen wird das am Tag Erlebte
sortiert. Im geistlichen Impuls nach dem Abendessen wird
das Seminarthema erneut aufgegriffen und die
Teilnehmerinnen werden dazu ermutigt, auch zu den
persönlichen Schattenseiten zu stehen.
Szenenwechsel „Karnevalistischer
Fastnachtssamstag-Abend“: Der Raum ist schön geschmückt,
manche Mädels haben sich richtig toll in Schale
geschmissen, die Bowle ist ein Traum, die Musik gibt hin
und wieder ihren Geist auf … aber nichts desto trotz, die
Sketche und Vorträge unserer Laiendarstellerinnen sind
kurzweilig, die Stimmung wird ausgelassener und beim
Entlocken einiger schmissigen Hits aus der Musikbox wird
sogar einige Runden mitgehüpft. – Aber selbst die
tapfersten Fassenachter sind nach diesem Tag bald müde – um
halb elf ist bereits wieder alles aufgeräumt und Ruhe kehrt
ein. Eine Jede sehnt sich danach, die Füße hochzulegen und
zu entspannen.








Maria, dir an dieser Stelle ein
herzliches Danke für die tolle Organisation des Abends:
Erst der anstrengende Seminartag, dann die Durchführung des
geistlichen Impulses, und dann noch – HELAU! – den
karnevalistischen Abend managen, während andere Mädels (da
zähle ich mich auch dazu) müde in den Seilen hängen: das
ist ein echter Kraftakt!
Sonntagvormittag – Endspurt: Wieder
lacht die Sonne uns an, als wir zum Seminarraum gehen. Aber
bevor wir diese genießen können gibt’s noch etwas Arbeit,
besser gesagt wieder überraschende spielerische Aufgaben,
die uns zum Abschlussplenum führen. So können wir nochmals
unsere positiven und negativen Gefühle zu Papier bringen
und diese Blätter dann wie auf einem Flohmarkt
untereinander austauschen, auch stückchenweise. Es macht
Heidenspaß und die Resultate sind erstaunlich.
In der abschließenden Auswertung des
Wochenendes dürfen nun alle Teilnehmerinnen nochmals ihre
Eindrücke und Einsichten mittels der vorhandenen Utensilien
aus den Wunderkisten und -körben der Therapeutinnen zu
einem gemeinsamen Bild auflegen.
Was – schon zu Ende? Die Zeit verging
wie im Flug. Wir sind zwar überwiegend alle platt aufgrund
der intensiven Arbeit, aber voll gepackt mit neuen
Eindrücken und Erkenntnissen wird nach dem Mittagessen die
Heimreise angetreten. Manche von uns konnten ihren
„virtuellen Rucksack“ erleichtern bzw. so umpacken, dass er
nicht mehr so drückt, andere tragen das Gewicht mit mehr
Selbstverständnis.
Denn, auch wenn es pathetisch klingen
mag, aber es ist nun mal so, dass es Licht ohne Schatten
nicht gibt (außer man steht mittags um 12 Uhr auf dem
Äquator (?)), und dass man aus beidem Kraft schöpfen kann;
dies wurde auch bei einem der Rollenspiele im Seminar in
Form einer Waage sehr einleuchtend dargestellt.
Es war ein gutes Wochenende. Wir
haben viel gelacht und auch geweint. Wir haben in uns
hinein gehört und vieles ausgesprochen. Wir haben wieder
Kraft getankt und wurden ermuntert, nicht nur unsere
Lichtseiten, die „guten“ zu sehen, sondern auch unsere
vermeintlichen und echten Schwächen bzw. Schattenseiten zu
akzeptieren und zuzulassen, denn auch diese können positiv
und liebenswert sein. -
Abschließend möchten wir nicht
versäumen, uns bei den Organisatorinnen des Seminars Maria
und Margit (die dann leider selber nicht teilnehmen konnte)
und deren Helferinnen zu bedanken: EIN HERZLICHES DANKE
EUCH ALLEN !!!
Auf Wiedersehen im nächsten Jahr !!!
Gaby Hub und die Meenzer Mädcher
*Die
Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit auf höchster
politischer Ebene haben uns gelehrt: immer ehrlich bleiben!
Deshalb hier zu eurer Kenntnis: die Informationen zu den
gekennzeichneten Stichworten wurden aus dem Internet
herangezogen und teilweise wörtlich übernommen.
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